Ulrich Schmitz on the WEB

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Macht der Euro den Urlaub billiger?

Mit Euro und Cent in der Tasche wird das Reisen in die Nachbarländer bequemer. Die beliebtesten Urlaubsziele der Deutschen gehören zum Euro-Raum. Die vielen deutschen Mittelmeerurlauber begrüßen, daß auch Italien, Spanien und Portugal zu den 11 Euro-Teilnehmern gehören.

Spätestens ab dem Jahr 2002 wird der Urlaub billiger: Mit der Einführung des neuen Bargeldes entfallen die bislang hohen Umtauschgebühren. Dieses Geld steht dann ungeschmälert für den Urlaub zur Verfügung.

Der Wegfall der Währungsgrenzen ist ein zusätzlicher Impuls für die Tourismusindustrie. Europaweit arbeiten in dieser Wachstumsbranche 9 Millionen Menschen - mit steigender Tendenz. Experten rechnen mit 2 Millionen zusätzlichen Arbeitsplätzen bis zum Jahr 2000. Der Euro begünstigt den Fremdenverkehr in Deutschland. In Zukunft bleiben Hotels und Gaststätten böse Überraschungen erspart, die sich aus massiven Abwertungen einiger Nachbarländer in der Vergangenheit ergeben haben. Weil das den Urlaub dort plötzlich verbilligte, blieben deutschen Ferienorten häufig die Gäste weg. Die Reiseveranstalter rechnen in den kommenden Jahren mit einem schärferen Preiswettbewerb. Denn der Euro schafft einen gläsernen Markt. Das dürfte den Urlaubern in Form günstiger Preise zugute kommen. Auch für Schnäppchenjäger kommen bessere Zeiten: Veranstalter aus allen Euroländern können bald ihre in Euro ausgezeichneten Kataloge problemlos in deutschen Reisebüros anbieten. Auch die Buchung übers Internet wird immer beliebter, denn der Euro schafft Preisklarheit bei ausländischen Angeboten. Noch nicht sicher ist, ob sich die Reisen nach Übersee verbilligen oder verteuern. Das hängt davon ab, wie sich der Wert des Euro gegenüber dem Dollar und anderen Währungen entwickelt. Wird der Euro auch international eine starke Währung - und alles spricht dafür - werden auch Reisen in ferne Kontinente tendenziell billiger.

Die Verbraucher sollten ab 1999 verstärkt darauf achten, daß die Reisebüros bei der Umstellung klare und nachvollziehbare Preise in korrekter Umrechnung und ohne jede verkappte Preiserhöhung anbieten. Der verschärfte Wettbewerb dürfte aber schwarzen Schafen in der Reisebranche sehr schnell die Weidegründe entziehen. Alles in allem besteht kein Zweifel: Der Euro macht den Urlaub billiger.

Das erste Wochenende im Mai 1998 war ein historischer Meilenstein auf dem Weg nach Europa. Nach gründlicher Vorbereitung durch die Finanzminister haben die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union am 2. Mai 1998 endgültig entschieden, welche Mitgliedstaaten die notwendigen Voraussetzungen für die Einführung einer einheitlichen Währung zum Jahresbeginn 1999 erfüllen: Belgien, Deutschland, Frankreich, Italien, Irland, Luxemburg, Niederlande, Finnland, Österreich, Portugal und Spanien werden von Beginn an den Euro einführen.

Mit dem Euro sichern wir alle Vorzüge der D-Mark. Das, was die D-Mark stark gemacht hat, wird auf ganz Europa ausgeweitet. Mit dem Vertrag von Maastricht, dem Europäischen Stabilitäts- und Wachstumspakt, der zusätzlichen Stabilitätserklärung der Teilnehmerländer vom ersten Maiwochenende und mit der Unabhängigkeit der Europäischen Zentralbank ist die Stabilität des Euro dauerhaft gesichert. Er wird so stark sein wie die D-Mark. Schon heute genießt die gemeinsame Währung den großen Vorteil der D-Mark: das Vertrauen der Märkte. Mit ihr wird Europa den Herausforderungen des nächsten Jahrtausends besser gewachsen sein.

Ich bin sicher, wir werden in Deutschland mit der Einführung des Euro ähnlich positive Erfahrungen machen, wie wir sie mit der Einführung der Sozialen Marktwirtschaft erlebt haben. Gerade einem exportorientierten Land wie Deutschland kommt die gemeinsame Währung besonders zugute. Ein Viertel unseres Sozialprodukts entsteht im Export. 60 Prozent unseres Außenhandels wickeln wir mit unseren europäischen Nachbarn ab. Von dem Wegfall der Wechselkursrisiken werden nicht nur Großunternehmen, sondern insbesondere auch die mittelständische Wirtschaft profitieren. Die einheitliche Währung wird helfen, Europa noch stärker als Absatz- und Beschaffungsmarkt zu erschließen.

Mit der Währungsunion entsteht zugleich einer der größten Finanzmärkte der Welt. Für Anleger und Investoren wird sich das Angebot an Anlage- und Finanzierungsmöglichkeiten verbessern und transparenter darstellen. Die Finanzierung von Investitionen - die wichtigste Voraussetzung sicherer Arbeitsplätze - wird dadurch erleichtert. Außenwirtschaftliche Störeinflüsse werden an Bedeutung verlieren, weil die Außenhandelsintensität des Euro-Raumes deutlich geringer sein wird.

Auch die Verbraucher werden die Vorteile des Euro spüren. Die Währungsunion bringt zunehmende Transparenz, mehr Wettbewerb und damit Preisvorteile. Und beim Urlaub im europäischen Ausland entfallen in Zukunft die nicht unerheblichen Umtauschgebühren und das oft mühsame Umtauschen - für die traditionell reiselustigen Deutschen ein nicht zu vernachlässigendes Plus der neuen Währung.

Mit unserem Ja zur Währungsunion stellen wir auch unsere Reformbereitschaft und Zukunftsfähigkeit unter Beweis. Mit der Umsetzung des Vertrags von Maastricht schaffen wir die Voraussetzung, daß Europa im nächsten Jahrhundert sein ökonomisches und politisches Gewicht in der Konkurrenz mit den anderen wirtschaftlichen Zentren der Welt behaupten kann.

Die Europäische Währungsunion bringt den Willen der Menschen in Europa zum Ausdruck, enger und wirksamer zum gemeinsamen Nutzen zusammenzuarbeiten. Sie bietet uns die Chance, zusätzliche wirtschaftliche und politische Stabilität in ganz Europa zu gewinnen. Diese Chance gilt es zu nutzen, um Europa für uns und unsere Kinder in diesem Sinne mitzugestalten.