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  Bankgeschäfte per Euro

 

Wie der Zahlungsverkehr mit dem Euro läuft Schon ab 1999 können Kunden Rechnungen - zumindest bargeldlos - in der neuen Währung begleichen. Die Euro-Einführung im Zahlungsverkehr macht vieles einfacher, aber nicht unbedingt billiger.

Der Euro kein superhartes Zahlungsmittel, sondern nun doch eine Weichwährung? Der Süßwarenhersteller Katjes bietet seine jüngste Kreation, die Euro-Münzen, in Lakritz-Form und als Fruchtgummi an. Und das kommt auch in der Geldbranche gut an. So orderte die Deutsche Bank Gummi-Euros mit einem Deutsche-Bank-Sticker auf der Tüte, um Mitarbeitern und Kunden einen Vorgeschmack auf die künftige Währung zu geben.

Bis die Banken mit harten Euro-Münzen und echten Euro-Scheinen arbeiten, vergehen noch drei Jahre. Bargeldlose Überweisungen, Scheck- und Kartenzahlungen sind hingegen schon mit Beginn des neuen Jahres 1999 möglich. Denn zum Startschuß Silvester legen die Länder die Umrechnungskurse der nationalen Währungen zum Euro unwiderruflich fest. Und ab diesem Termin kann man nicht nur ein Euro-Konto einrichten, sondern auch in der neuen Währung zahlen. Richtig dabei: Mittelfristig macht der Euro die lästige Währungsumrechnung überflüssig. Entgegen mancher Erwartungen halten sich die Kostenersparnisse des Verbrauchers aber in engen Grenzen, selbst bei Auslandszahlungen.

Damit die Währungsumstellung für den Konsumenten im Inland möglichst transparent erfolgt, findet er schon ab 1999 vielfach auf Preisschildern und Werbeprospekten parallel Mark- und Euro-Angaben. Eine entsprechende Selbstverpflichtung ist der Hauptverband des deutschen Einzelhandels (HDE) in Köln in Abstimmung mit den Verbraucherschützern eingegangen. "Große Handelshäuser wie Karstadt, Metro, Edeka, Rewe und Tengelmann haben sie schon unterschrieben", sagt Stefan Schneider, Justitiar und Geschäftsführer beim HDE. Damit kann sich jeder schnell an die Kalkulation in der neuen Währung gewöhnen. Was dem Verbraucher recht sein soll, ist dem Kontoinhaber während der dreijährigen Übergangsfrist bis zum Jahr 2002 billig.

Die Frage Mark oder Euro wird grundsätzlich nach der Devise beantwortet: kein Zwang, aber auch keine Behinderung bei der Verwendung des Euro. Der Kunde sollte immer in der Währung zahlen, in der die Rechnung ausgestellt ist. Das Umrechnen übernimmt die Bank oder Sparkasse. Der Kontoinhaber stellt auf diese Weise sicher, daß der Empfänger exakt den gewünschten Betrag erhält. Zahlt er mit EC-, Geld- und Kreditkarte funktioniert das automatisch. Hier bestimmt das Händler-Terminal die zu zahlende Währung. Der Kunde braucht sich keine Gedanken zu machen.

Überweisungen. Bei einer Überweisung muß der Kontoinhaber mit Beginn des neuen Jahres 1999 auch bei inländischen Aufträgen angeben, ob er in Mark oder Euro zahlt. Fehlt die Währungsbezeichnung, führen die meisten Institute die Überweisung nicht aus und sprechen den Auftraggeber an. Ein aufwendiges Verfahren. Kostensparend arbeitet die Dresdner Bank. Sie geht davon aus, der Kunde wolle in Mark zahlen und sendet ihm umgehend zur Information einen Kontoauszug zu.

Hoffnungen, daß die Einführung der gemeinsamen Währung Auslandsüberweisungen billiger macht, erfüllen sich nicht. Durch die festen Kurse der Euro-Währungen kommt es wie beim Auslandseinsatz von Eurocheque, EC- und Kreditkarte nur zu einer geringfügigen Kostenerleichterung - nämlich in dem Umfang, wie für die Bank die Kursmarge bei der Währungsumrechnung entfällt. Gebührensenkungen wird es also nicht geben. Henner Walkhoff, Abteilungsleiter Zahlungsverkehr beim Sparkassen- und Giroverband in Bonn, erläutert: "Allein durch die Währungsunion entsteht kein Inlandszahlungsverkehr." Er verweist auf nationale technische Unterschiede in der Abwicklung, die sich nicht so schnell angleichen lassen. So gebe es kein einheitliches Bankleitzahlsystem. Erst mittelfristig setzen die Geldhäuser auf deutliche Fortschritte, auch für den Kunden.

Daueraufträge und Lastschriften. Regelmäßige Überweisungen können Kontoinhaber auf Wunsch schon ab Januar 1999 in Euro abwickeln. Ab 2002 geht das automatisch. Bei den Lastschriften müßte der Geldempfänger die Initiative ergreifen. Er entscheidet in den nächsten drei Jahren über den Einzug in Mark oder Euro.

Eurocheque und EC-Karte. Auf dem Scheckformular war schon bisher die Währungsangabe erforderlich: Dieses Verfahren ist dem Kontoinhaber also vertraut. Nutzt der Kunde die EC-Karte mit oder ohne Eurocheque im Ausland, ist - genau wie bei der Auslandsüberweisung - keine deutliche Preissenkung in Sicht. Laut Begründung der Geldbranche kann der technische Ablauf nicht noch weiter gestrafft werden. "Lediglich die Währungsumrechnung entfällt", argumentiert Holger Krause, beim Sparkassen- und Giroverband in Bonn zuständig für den Bereich Debit-Karten.

Kreditkarte. Auch hier wollen die Anbieter von Kostenvorteilen nichts wissen. Die Branche ist sich einig: Die Auslandspreise bleiben wie sie sind, auch im Jahr 2002. Das Argument: Dabei handele es sich nicht um eine Umrechnungsgebühr, sondern um ein Entgelt für den teuren Auslandseinsatz. Als solches hat es der Bundesgerichtshof in Karlsruhe tatsächlich abgesegnet, und so ist es meist auch in den Geschäftsbedingungen ausgewiesen. American Express allerdings hat sich in Erklärungszwänge gegenüber den Kunden gebracht. Die Kreditkartengesellschaft legte sich einst ungeschickterweise auf die Bezeichnung Umrechnungsgebühr fest, die nun wegfällt. Deshalb erfolgt jetzt eine Umbenennung in den Geschäftsbedingungen.

Geldkarte. Sparkassen geben die ersten EC-Karten mit einer elektronischen Euro-Geldbörse zum Ende des Jahres 2000 aus. Bei den Banken ist die Regelung von Institut zu Institut unterschiedlich. Doch ob Mark- oder Euro-Chipkarte: Der Kunde muß sich während der Übergangsfrist keinerlei Gedanken machen. Er kann mit seiner Euro-Geldkarte auch an einem Mark-Terminal bezahlen und umgekehrt. Und er muß seine Mark-Geldbörse auch nicht vor dem Jahr 2002 entladen, sondern kann sie nutzen bis zum Ende der normalen Gültigkeit. Die Kunden erhalten einen neuen Taschenkartenleser, der das Guthaben in Mark oder Euro anzeigt.

Reiseschecks und Sorten. Erstere gibt's ebenfalls schon ab Januar 1999, etwa von American Express oder Thomas Cook, in Euro. Christian Westerhaus, beim Bankenverband für Zahlungsverkehr zuständig: "Das ist dann von Vorteil, wenn der Kunde durch mehrere Euro-Länder reist." Bis zur Einführung des Euro-Bargelds muß man sich noch mit der Landeswährung eindecken. Für den An- und Verkauf von Sorten führen die Institute 1999 ein neues Entgelt ein. Bisher haben sie ihre Kosten durch die Differenz zwischen An- und Verkaufskurs gedeckt. Das ist künftig nicht mehr möglich, denn es gibt nur noch einen fest fixierten Kurs.

Da aber die Kosten mit Ausnahme der Kurssicherung bleiben, denken die Institute über eine Gebühr von etwa vier bis sechs Prozent nach. Hier beobachtet jedes Geldhaus die Konkurrenz. Bei der Commerzbank ist die Entscheidung für vier Prozent schon gefallen. Dazu erklärt der Leiter des Sortenhandels, Hermann Strohmeyer: "Das ist eine Mischkalkulation. Lire, Peseten und Escudo werden zwei Prozentpunkte preiswerter, Gulden und österreichische Schilling etwas teurer. Insgesamt steht sich der Verbraucher etwas günstiger." Ein Tip: Die Landeszentralbanken müssen Sorten kostenlos ankaufen.

 


Konto für Euro-Fans

Ab 1999 kann der Kunde sein Konto noch drei Jahre weiter in Mark laufen lassen oder schon auf die neue Währung umstellen.

Für welche Währung sich der Kontoinhaber entscheidet, spielt für Nutzungsmöglichkeiten und Kosten keine Rolle. So weist Christian Westerhaus, beim Bundesverband deutscher Banken in Köln zuständig für den Zahlungsverkehr, darauf hin: "Die Kreditwirtschaft hat vereinbart, daß unabhängig von der Kontowährung Zahlungen sowohl in Mark als auch in Euro möglich sind." Und auch die Preise für die Kontoführung müssen nach Empfehlung der EU-Kommission übereinstimmen.

In der Regel ist die Währungsumstellung für den Privatkunden erst sinnvoll, wenn die Hauptzahlungseingänge, etwa die Gehaltsüberweisung, in Euro erfolgen. Damit also eher gegen Ende der dreijährigen Übergangszeit. Es sei denn, der Kontoinhaber möchte sich schon möglichst früh auf das neue Währungszeitalter einstellen. Mit Beginn des Jahres 2002 werden auf Knopfdruck alle Konten in Euro geführt.

Eine doppelte Buchführung auf den Kontoauszügen soll aber schon jetzt dazu beitragen, daß jeder Kunde sich an den Umgang mit dem Euro gewöhnt. Doch nur wenige Institute, wie Dresdner Bank und Postbank, haben sich für einen kompletten Ausweis in Mark und Euro entschieden. Die meisten Konkurrenten, wie beispielsweise Deutsche Bank und Commerzbank, geben nur die Kontostände in beiden Währungen an. Transaktionen in Euro werden bei einem Mark-Konto im Informationsfeld ausgewiesen und umgekehrt. Der Preisaushang enthält bei den meisten Instituten bald eine doppelte Preisangabe.

Auf Kundenfragen zum Euro sind die Geldhäuser gut gerüstet. Einige haben eine Euro-Hotline eingerichtet. Bei der Bank 24 wurden die Berater am normalen Kundentelefon geschult. Die Sparkassen mit ihren vielen Zweigstellen setzten vor allem auf die Beratung vor Ort. So steht bei der Hamburger Sparkasse in jeder Filiale ein Euro-Beauftragter zur Verfügung.

 


zusammengetragen aus diversen Artikeln