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Werden die Euro-Preise höher sein als die DM-Preise?

 

Verbraucher und Unternehmen werden sich spätestens im Jahr 2002 an neue Preise gewöhnen müssen. Dabei werden die neuen Preise vermeintlich günstiger aussehen: Der Zahlbetrag wird geringer sein, nicht allerdings der Wert. Nimmt man einen Umrechnungskurs von 1 Euro = 1,95 DM an, so würde sich zum Beispiel folgendes ergeben:

Ein Brot, das heute 3,90 DM kostet, wäre dann für 2 Euro zu haben.
Die Miete von heute 975 DM entspräche dann 500 Euro.
Die Kehrseite der Medaille liegt bei einer wertneutralen Umstellung auf der Hand. Auch auf der Einkommensseite ergeben sich optische Verringerungen:
Ein Bruttolohn von 4875 DM betrüge nach der Umstellung 2500 Euro.

 

Eine Lebensversicherung in Höhe von 750.000 DM würde zur Auszahlung von 384.615 Euro führen.

Anfang 1999 ist der Umtauschkurs der D-Mark zum Euro unwiderruflich festgelegt. D-Mark und Euro sind dann bis zum Jahr 2002 lediglich zwei Seiten einer Medaille. Sie können von den Verbrauchern als gleichwertig und austauschbar behandelt werden. Abgesehen von Rundungsdifferenzen entspricht jeder D-Mark-Betrag einem Euro-Betrag und umgekehrt. So wie die Temperatur gleich bleibt, egal ob in Celsius oder in Fahrenheit gemessen wird, ist es für den Verbraucher nicht von Belang, ob ein Wert in D-Mark oder in Euro ausgedrückt wird.

Vielfach wird es ausreichen, die DM-Preise mittels Umrechnungsfaktor in Euro-Preise umzurechnen. Dies kann aber für den Handel zu Problemen führen, wenn die Preise unterhalb psychologischer Preisschwellen bleiben sollen. Beispiel: Hat eine Tube Zahnpasta bisher 1,99 DM gekostet, so entspräche das ungefähr 1,02 Euro. Ein Preis von 0,99 Euro wäre weitaus werbewirksamer, ginge aber zu Lasten der Handelsspanne.

Es ist sehr wahrscheinlich, daß es zu Preisanpassungen kommen wird, um wieder zu Schwellenpreisen zurückzufinden. Für einzelne Produkte wären damit echte Preissenkungen verbunden. In anderen Fällen könnte es auch zu Erhöhungen kommen. Die Unternehmen werden ihre bisherige Mischkalkulation umstellen müssen.

Gesamtwirtschaftlich sollten diese Preisanpassungen keine negativen Folgen haben. Der unvermindert harte Wettbewerb im Geschäft mit dem Endverbraucher wird es wirksam verhindern, daß die Preisumstellung einen Inflationsschub verursacht. Die Verbraucher werden übermäßigen Preiserhöhungen rasch auf die Schliche kommen und zur Konkurrenz wechseln. Hierfür ist es sicher nicht nötig, daß bereits ab 1999 alle Preise in D-Mark und Euro ausgezeichnet werden müssen, obwohl der Euro bis 2002 noch gar nicht als Bargeld existiert und damit kein gesetzliches Zahlungsmittel ist.

Im Geschäftsverkehr werden Euro-Preise - gerade im internationalen Geschäft - schon bald an der Tagesordnung sein, im Handel mit dem Endverbraucher sicher erst nach und nach. Die Verbraucher werden drei Jahre lang Zeit haben, sich an die neuen Preise zu gewöhnen. Kleine elektronische Umrechnungshilfen werden den Umgang mit dem Euro einfacher machen. Auf freiwilliger Basis werden die Unternehmen als Kundendienst im vertretbaren Rahmen in Euro auszeichnen. Eine gesetzliche Verpflichtung jedes einzelne Produkt doppelt - bei Angeboten gleich vierfach - auszuzeichnen, dürfte die Kosten des Handels unnötig erhöhen. Die Zeche müßte der Verbraucher zahlen. Die Europäische Kommission hat deshalb auch lediglich "Standards des guten Verhaltens" bei der doppelten Angabe von Preisen empfohlen.

 


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