Ulrich Schmitz on the WEB |
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Sind die "kleinen Leute" die Verlierer der Währungsunion? |
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Es ist eine der größten Fehleinschätzungen in der öffentlichen Debatte, daß der Euro angeblich nur den exportorientierten Großunternehmen, multinationalen Konzernen und Millionären nutzen werde. Das Gegenteil ist der Fall: Gerade der Normalverdiener und die kleinen Leute, die Arbeitnehmer und die Sparer haben von der Währungsunion und einem stabilen Euro die größten Vorteile.
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| Warum das so ist?
Die Währungsunion wird auf der Grundlage einer Stabilitätsunion verwirklicht. Nur Länder mit niedriger Inflationsrate konnten sich qualifizieren. 1997 hatten wir in der EU praktisch Preisstabilität. Preisstabilität nutzt Sparern, Rentnern und Personen mit kleinen Einkommen am meisten. Eine niedrige Inflationsrate ist die beste Sparpolitik. Inflation schafft keine Arbeitsplätze, sondern vernichtet sie. Wir haben 1998 in Deutschland und in Europa die niedrigsten Schuldzinsen in der Nachkriegszeit. Auch das ist ein Ergebnis der Wirtschafts- und Währungsunion und der Konvergenzbemühungen der Mitgliedstaaten. Wer heute etwa einen Kredit für den Erwerb oder Neubau eines Einfamilienhauses oder eines Autos aufnehmen will, zahlt nur noch etwa halb so viel Zinsen wie Anfang der 80er Jahre. Nach der Entscheidung über die 11 Teilnehmerstaaten haben die internationalen Finanzmärkte eindrucksvoll belegt, daß der Euro stabil sein wird. Ängste um eine künftige höhere Inflationsrate sind absolut unbegründet. Die Liberalisierung wichtiger Schlüsselmärkte hat die Verbraucherpreise für eine Reihe wichtiger Dienstleistungen dauerhaft gesenkt. So sind z.B. Flugreisen, Telefonate, Gütertransporte erheblich billiger geworden, weitere Bereiche wie Strom, Gas und Post werden folgen. Der Euro wird die Währungszersplitterung in der EU aufheben und zu einem echten Gegengewicht zum Dollar auch auf den Rohstoffmärkten werden. Dies verbessert die Wettbewerbsfähigkeit der Arbeitsplätze in Europa und macht Investitionen in Europa interessanter. Hauptaufgabe der unabhängigen Europäischen Zentralbank ist nach Artikel 105 EU-Vertrag die Sicherung der Preisstabilität. Es gibt keinen Zweifel, daß die EZB dieses Ziel unbeirrt verfolgen und erreichen wird. Gemeinsam mit dem Stabilitätspakt und der Verpflichtung der Mitgliedstaaten zu einer zurückhaltenden Finanzpolitik wird der Euro dauerhaft stabil sein. Der Euro macht die Preise überall in Europa transparent. In Deutschland mit einem vergleichsweisen hohen Preisniveau werden durch den Wettbewerbsdruck auf mittlere Sicht preiswertere Güter und Dienstleistungen angeboten werden. Davon profitieren vor allem die Normalverdiener und die "kleinen Leute". Der Euro wird den Reformdruck auch in Deutschland erhöhen. Auch dies nutzt den "kleinen Leuten" am meisten. Hohe Steuern und Sozialabgaben, staatliche Bevormundung und Behördenschlamperei, hohe Lohnnebenkosten und Flächentarifverträge kommen auf den Prüfstand. Das nutzt den Arbeitsplätzen und den leistungsbereiten Arbeitnehmern am meisten. Die Kosten des Währungsumtauschs in den Teilnehmerländern etwa für den Urlaub entfallen ebenso wie hohe Risikoabsicherungen für einen Teil der Exportgeschäfte. Gegenüber den langfristigen Vorteilen des Euro sind diese Vorzüge beachtlich, aber nicht der wichtigste Teil. Die Umstellung von DM auf Euro ist absolut kaufkraftneutral, niemand wird benachteiligt oder über den Tisch gezogen, die Kaufkraft bleibt gleich. Geldvermögen und Sachvermögen werden gleichbehandelt. Auch davon profitieren die "kleinen Leute" mit kleinem Sparvermögen und Normaleinkommen viel mehr als Leute mit großem Vermögen, die heute einfach in ein anderes Land mit ihren Vermögensanlagen ausweichen können. Gerade die "kleinen" Leute und die Normalverdiener sind darauf angewiesen, daß die Wirtschaft insgesamt läuft und eine ausreichende Zahl von Arbeitsplätzen vorhanden ist. Wir Deutsche müssen rund ein Viertel unseres Wohlstandes im Export verdienen, vor allem in die EU-Staaten. Nur wenn der Export floriert, wird die Nachfrage für die Handwerker, das Automobil- und Kfz-Gewerbe, für Bäcker, Einzelhändler, Gastwirte und viele andere Mittelständler vorhanden sein. Nur wer keine Ahnung hat, behauptet etwas anderes. Fazit: "Kleine" Leute und Normalverdiener sind mittel- und langfristig die Gewinner des Euro.
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